Der Geschmack von Wildnis

Version 2Gegenüber der Kirche öffnet der Bäcker um 6:30 Uhr, im Kühlschrank lagert dort neben Milch auch Dosenbier. Aus der Backstube riecht es nach Zivilisation.

Wir sitzen staubverkrustet und von der Sonne verbrannt auf unseren Rucksäcken. Unter unseren Achseln nistet der Geruch von Wildnis.

Wir kauen Brocken warmen Brots, nippen Kaffee aus Pappbechern. Der Geschmack von Zivilisation. Sie leckt an ihrem Arm, sagt „salzig“ und lacht. Der Geschmack von Wildnis.

Das Dorf ist von rötlichen, scharfzackigen Felsen umrahmt, sie glühen schon in der Morgensonne.  Am Rand des Dorfs fallen die Felsen steil ab, weiter hinten schimmert das Meer.

Ausflügler steigen aus ihren Wägen aus, fotografieren, fahren weiter. Zahlreiche Busse fahren täglich die Küstenstraße entlang, doch im Dorf  halten sie nur um 7:30 Uhr und 17:30 Uhr.

Eine einfache Straße durchschneidet die Felsen zum Meer hinunter, immer nah am Abgrund entlang, erst kurz vor dem Strand weichen die Felsen zurück, alles wirkt sanfter.

Wir folgten dem Asphalt im Mondlicht in langen Stunden bergan, und manchmal glaubten wir, in den Hängen links und rechts der Straße ein Tier im Dickicht zu hören. Erst in der Morgendämmerung erreichten wir das Dorf.

An der Kreuzung warten drei junge Frauen mit schwerem Gepäck. Eine hält ein Schild hoch, sur la plage. Mit müder Erwartung standen sie schon, als wir unsere Rucksäcke niederlegten und die Stiefel aufschnürten, die Zungen noch ausgedörrt von unserer Wanderung unter dem Vollmond.

Wen wunderte es, wenn ein Esel durchs Bild liefe? Ab und an fährt eine Vespa vorbei. Ich hole eine Bierdose aus dem Rucksack, kühl liegt sie in der Hand.

Spiel

Das Wasser sprudelte, er spürte den Sog. Der Fels war griffig und nass, er steilte schon unterhalb der Wasseroberfläche auf. Mehrmals hatte Matthew erfolglos versucht, mit den Fingern Halt zu finden, den Schwung des anrollenden Wassers zu nutzen, die Beine gegen zu stemmen und sich hochzuziehen. Mehrmals hatte ihn die Welle wieder zurück ins Meer gezerrt.

Er atmete ein, spannte seine Muskeln an und drückte sich nach oben, kletterte ein Stück weit. Als er sicher auf einem Vorsprung stand, den er heute Morgen vom Pfad im oberen Teil der Klippe nur erahnt hatte, bemerkte er wie seine Beine zitterten. Weiterlesen